Waltersdorf liegt zentral inmitten der vorderen Sächsischen Schweiz. Von hier aus erreichen Sie Sehenswürdigkeiten, wie die Bastei, das Polenztal, den Lilienstein, die Festung Königstein und den Brand (Balkon der Sächs. Schw.) auf kürzestem Wege. Natürlich sind auch bekannte Orte, wie Kurort Rathen und Bad Schandau nur einen Katzensprung weit entfernt. Hinter Bad Schandau erschließt sich Ihnen die hintere Sächsische Schweiz und wer noch ein Stückchen weiter geht, erreicht die Böhmische Schweiz in Tschechien.

Die Sächsische Schweiz ist eigentlich kein Gebirge, sondern eine Flußlandschaft. Jahrmillionenlanges Wirken von Wind und Wasser hat aus einer ehemals relativ geschlossenen Sandsteinplatte eine Vielzahl von Sandsteinfelsen, -säulen, Ebenen und tiefen U-Tälern entstehen lassen. Die klimatischen Verhältnisse in den engen kühlen Tälern und auf den trockenen Flächen oberhalb der Felsen geben vielen seltenen Pflanzen ihren Lebensraum. Man spricht von der Umkehr der Vegetationfolge zwischen Tal und Gipfel, wie sie sonst im Gebirge üblich ist. Die Abgeschiedenheit vieler Waldgebiete führte und führt ebenso zu einer Ansiedlung seltener Tierarten. Die Einzigartigkeit der Felsenwelt, sowie der Flora und Fauna laden zum Wandern, Entspannen und natürlich auch zum Klettern ein.

Waltersdorf wurde als Waldhufendorf Waldhufen
Die neuen Siedler rodeten den Wald und legten Hufen an. Eine Hufe war eine Fläche, die in etwa so groß bemessen war, dass sie eine Familie ernähren konnte. Aus diesem Grunde besitzen die Hufen je nach Gelände und Bodenbeschaffenheit eine recht unterschiedliche Flächengröße. In der Regel siedelten die Bauern an einem kleinen Bach. Die Bachaue bildete das Gemeindeland. Links und rechts davon verlief ein Weg. Außerhalb dieser Wege standen die Bauerngüter. Hinter diesen folgten die Felder und danach, vom Ort am weitesten entfernt, der Wald. Diese Struktur ist heute noch in vielen Dörfern unserer Gegend zu finden. Selbst die Hufengrenzen sind durch Wege, Gehölzreihen oder Steinwälle zum Teil noch nachzuvollziehen.
in der Zeit der Neubesiedlung unserer Gegend durch fränkische und niedersächsische Bauern gegründet. Erstmals 1501 erwähnt, wuchs es seit dem von einem Ort mit dreizehn Bauerngütern zu einer Gemeinde von ca. 370 Einwohnern heran. Gehörte Waltersdorf viele Jahre, nebst Prossen und Porschdorf, dem Gemeindeverband Porschdorf an, so bildet es heute einen Ortsteil der Stadt Bad Schandau.

In seiner Geschichte hat Waltersdorf viel erlebt. So kapitulierte 1756 auf der Ebenheit unterhalb des Liliensteins die sächsische Armee vor der preußischen. Wilhelm Lebrecht Götzinger schreibt um 1800 hierzu (1): „Welcher beugende Schmerz war es für den König (August II.), es von dem Königstein herüber mit ansehn zu müssen, daß seine noch 14000 Mann starke so treue Armee, - denn 3000 hatte größtentheils der Hunger aufgerieben - den folgenden Tag das Gewehr strecken und sich ergeben mußte. Das geschah dort, gleich hinter Walthersdorf, auf den Ebenen seiner Felder, wo Regiment nach Regiment vor Friedrich II. aufmaschierte. ...”.

Im Jahre 1813 (2) lies Napoleon am Fuße des Liliensteins ein Lager nebst Schanzen an dessen Ostseite anlegen. Von letzteren sind heute noch Reste zu sehen. Außerdem findet man in der Nähe dieser einen Brunnen, welcher wohl aus dieser Zeit stammt und so Franzosenbrunnen genannt wird. Napoleon verdanken wir auch eine Straße, die dieser von Stolpen über Waltersdorf, Königstein in Richtung Erzgebirge bauen ließ und die heute noch den Namen Kaiserstraße trägt. Leider ist diese Straße mit neuem Belag nur bis zum Lilienstein befahrbar, Königstein erreicht man heute vom Lilienstein aus nur zu Fuß oder auf dem Rad.

Das heutige Waltersdorf ist durch Landwirtschaft, Gewerke und Tourismus geprägt. Für die zahlreichen Gäste stehen eine Reihe Privatquartiere und Ferienwohnungen zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgen die Gaststätten „Stiller Fritz” und „Einkehr Zum Alten Hansjörg”, sowie eine Verkaufsstelle mit Imbiss im ehemaligen Erbgericht. Erbgericht
Dem Bauernführer der neuen Siedler wurde Land in der Größe zweier Hufen zugeteilt. Zudem besaß dieser das Gerichtsrecht und das Schankrecht. Da diese Rechte vererbt wurden, bildete sich der Name Erbgericht. So ist unter einem Erbgericht eine größere Wirtschaft mit ehemaliger oder noch bestehender Gaststätte zu verstehen.
Es besteht eine Busverbindung nach Bad Schandau. Wer gut zu Fuß ist, erreicht die S-Bahn „Schöna - Dresden - Meißen” auch, indem er nach Rathen läuft und dort mit der Fähre über die Elbe übersetzt. In Rathen, wie auch in Bad Schandau kann man einen der alten Elbraddampfer besteigen und so ebenfalls bis Schmilka oder Dresden fahren.

Karsten Krebs
Waltersdorf, den 29.04.2014


(1) Wilhelm Lebrecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz - Nach der Original-Ausgabe von 1812 in der Berger'schen Buch- und Kunsthandlung Dresden - Verlag der Kunst Dresden 1991 - S. 112

(2) Hans Brunner: Elbsandsteingebirge mit Osterzgebirge - VEB Tourist Verlag Berlin - Leipzig - S.596